Ende August empfing der slowenische Präsident Borut Pahor Österreichs Bundespräsidenten Heinz Fischer in der Gottschee, um über die deutsche Volksgruppe in Slowenien zu sprechen. Mit Fischer besuchte erstmals seit 1945 ein österreichischer Bundespräsident die Gottscheer-Deutschen. Während Fischer von einer Unterstützung lediglich im Rahmen der slowenischen Verfassung und des österreichisch-slowenischen Kulturabkommens sprach, schloss Pahor eine Anerkennung der deutschen Minderheit als „autochthone Volksgruppe“ kategorisch aus. Die Deutschen in Slowenien bleiben damit weiterhin eine diskriminierte Volksgruppe, obwohl sie dort teilweise schon seit über 800 Jahren lebt und im Laufe ihrer Geschichte Großartiges geleistet hat wie etwa die Entwicklung einer blühenden bürgerlichen Stadtkultur.

Sloweniens Präsident Borut Pahor ließ seinem österreichischen Amtskollegen gegenüber keine Zweifel darüber aufkommen, dass Laibach überhaupt nicht daran denke, den Volksgruppenstatuts für die deutsche Volksgruppe in Slowenien zu ändern. Pahor: „Das fordert hier niemand!“ Seit über zwanzig Jahren schon kämpft die deutsche Volksgruppe erfolglos um ihre Anerkennung als autochthone Volksgruppe. August Gril, Obmann der Gottscher-Deutschen und Vorsitzender des Dachverbandes der deutschen Kulturvereine in Slowenien, fasste gegenüber beiden Präsidenten die Forderung seiner Landsleute wie folgt zusammen: „Wir fordern die Anerkennung der Deutschsprachigen hier als Minderheit, gleich wie es für die Italiener und Ungarn gilt. Das wäre dann ein Mandat im Parlament. Wir brauchen diesen Status aber auch, um Förderungen zu kriegen. Derzeit bekommen wir von Slowenien nur wenig Geld für einzelne Projekte.“

Im Unterschied zur deutschen Volksgruppe genießen die kleine italienische und ungarische Minderheit die Anerkennung als autochthone Volksgruppe, was beiden neben finanziellen Basisförderungen durch den slowenischen Staat auch den Anspruch auf ein autonomes Schulsystem, eine politische Vertretung im Parlament oder eigene Medien garantiert. Für die deutschen Kulturvereine gibt es lediglich Zuschüsse für Projekte und Ansprüche, die sich aus Art. 61 der slowenischen Verfassung ergeben: „Jedermann steht das Recht zu, seine Zugehörigkeit zu seinem Volk oder seiner Volksgruppe frei zu bekennen, seine Kultur zu pflegen und kundzutun sowie seine Sprache und Schrift zu gebrauchen.“

Für Peter Wassertheurer, Präsident der Deutschen Weltallianz (DWA), ist der Hinweis auf die slowenische Verfassung lediglich eine Alibiaktion, um den wahren Charakter der slowenischen Haltung der deutschen Minderheit gegenüber zu verstecken. „Der ist nämlich extrem minderheitenfeindlich und resultiert aus einer deutschfeindlichen Haltung, deren Wurzeln ins späte 19. Jahrhundert reichen“, meint Wassertheurer, der abschließend ergänzt, dass „historische Stereotype kein Mittel für eine moderne, europäische Volksgruppen- und Minderheitenpolitik darstellen.“

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