Deutsche Parlamentarier bereisten kürzlich alle drei baltischen Staaten mit den Schwerpunktthemen ethnische Minderheiten und deutsches Kulturerbe. Sie entdeckten noch letzte Spuren deutschen Lebens im Baltikum. Die Deutschen in den drei baltischen Staaten waren bereits vor dem Zweiten Weltkrieg auf Grundlage eines deutsch-sowjetischen Vertrages „heim-ins-Reich“ zum großen Teil umgesiedelt worden.

„Im Baltikum existiert nach wie vor eine kleine, aber sehr aktive deutsche Minderheit, die zudem gut integriert ist. In Estland leben noch 1.900 Menschen mit deutschen Wurzeln, in Lettland 4.000 und in Litauen 2.100, davon knapp 80 sogenannte Wolfskinder“, informiert einer der Teilnehmer der deutschen Delegation.
So stellt etwa das Hermann-Suderman-Gymnasium im ehemaligen Memel, litauisch Klaipeda, ein Leuchtturmprojekt dar, das vom deutschen Kulturverein betrieben wird. Die Nachfrage übersteigt das Angebot der zweisprachigen Einrichtung mit derzeit 550 Schulplätzen bei weitem. Daher wurde die Einführung eines dritten Deutschzugs angesprochen.
Auch das deutsche Kulturerbe ist in allen drei baltischen Ländern präsent und wird gepflegt. Etwa das im Zweiten Weltkrieg zerstörte „Schwarzhäupterhaus“ in Riga wurde nach der 1991 wieder erlangten Unabhängigkeit Lettlands originalgetreu rekonstruiert. Oder das Stadtarchiv im früheren Reval (Tallinn), das sich in vorbildlicher Weise dem Erhalt wertvoller Dokumente wie Briefe Martin Luthers oder lübischer Urkunden annimmt.
Die bundesdeutsche Delegation unterstützt den von hochrangigen Gesprächspartnern geäußerten Wunsch, den Kulturaustausch mit Deutschland zu verstärken, da die baltischen Staaten historisch eng mit Deutschland verknüpft und eine wichtige Brücke nach Skandinavien und Russland sind. Zudem genießt die Bundeskanzlerin vor Ort ein hohes Ansehen.
Von den tausenden sogenannten Wolfskindern, die am Ende des Zweiten Weltkrieges ihre Eltern in Ostpreußen verloren und in den Wäldern Litauens Zuflucht gesucht haben, leben noch knapp 80 und erhalten vom litauischen Staat eine kleine Zusatzrente.

„Die Deutschen Weltallianz ist über die Pressearbeit ständig in Kontakt mit den deutschen Volksgruppen im Baltikum“, erklärt DWA-Präsident Peter Wassertheurer.

Leave a comment

Ihre E-Mail-Adresse wird nicht veröffentlicht. Erforderliche Felder sind mit * markiert.